
Beginn der Festwoche
Am ersten Augustwochenende war es wieder soweit – nach zwei Jahren des Wartens und der Vorfreude stand das Wendfelder Schützenfest 2026 vor der Tür. Bereits am Montag hatten die Schützen die Festwoche mit dem traditionellen „Toog upsetten“ an der alten Vogelstange eröffnet. Der Überlieferung nach zeigt der „Toog“ in die Richtung, aus der der neue König kommen wird. So wurde am Montag noch rege diskutiert, wohin der „Toog“ deutet – doch im Rückblick sind sich natürlich alle Schützen einig, dass er eindeutig in Richtung Picker zeigte. Doch dazu später mehr …


Schmücken des Festzeltes am Donnerstag
Um nicht nur die Vogelstange, sondern auch das Festzelt für das Wochenende vorzubereiten, trafen sich die Vereinsmitglieder am Donnerstag zum traditionellen Schmücken. Während die übrigen Wendfelder bereits mit dem Aufbauen der Stühle für den Gottesdienst und dem Anfertigen von Papieröschen beschäftigt waren, trotzte die Wendfelder Jugend beim „Grünholen“ im Wald dem Regen, um die Zeltwände und die Sektbar ordentlich begrünen zu können. Nach getaner Arbeit stießen die Wendfelder wie üblich auf das anstehende Fest an. Den Abschluss des Abends bildete dabei wie üblich eine eiskalte Bierkiste, die ein Schütze für diesen Anlass in einem – bis heute unentdeckten – Versteck deponiert hatte.



„Ein Leben ohne Schützenfest ist möglich – aber sinnlos“
Am Freitag begann das Schützenfest mit der heiligen Messe, die der amtierende Thron gemeinsam mit Pfarrer Blaise Emebo gestaltet hatte. So hielt König Christoph eine Lesung zum Thema „Gemeinschaft“, während Königin Anne und das Throngefolge in den Fürbitten unter anderem auch der verstorbenen Mitglieder der Wendfelder Gemeinschaft gedachten. Pfarrer Blaise feierte dabei nicht nur einen festlichen Gottesdienst, sondern stimmte die Anwesenden auch frei nach Loriot auf die kommenden Tage ein: „Ein Leben ohne Schützenfest ist möglich – aber sinnlos.“
Die Wendfelder nahmen sich die Worte des Pfarrers zu Herzen und blieben in großer Zahl zum Frühschoppen im Festzelt, wobei die Stadtlohner Husarenkapelle wie immer musikalisch für beste Schützenfeststimmung sorgte.



„Ihr Wendfelder seid ein herrliches Volk“
Inzwischen neigte sich die Amtszeit des alten Throns bereits ihrem Ende zu. Grund genug, diese beim Festball noch einmal richtig zu feiern: König Christoph Rülfing und Königin Anne Große Frericks feierten mit ihrem Throngefolge Rainer Große Frericks und Melanie Rülfing sowie Martin und Daniela Große Frericks ein „rauschendes und bombastisches Fest“ mit zahlreichen Gästen und hervorragender Stimmung. Musikalisch begleitet durch die Tanzband „Borderline“ führten die unermüdlichen Adjutanten eine Polonaise von Gratulanten nach der anderen zum Thron. Als vor dem Ehrentanz die Wendfelder Jugend vor dem Thron feierte, verkündete König Christoph – frei nach Propst Hugenroth: „Ihr Wendfelder seid ein herrliches Volk.“

Neuaufnahme und Kranzniederlegung
Am Nachmittag traten die Schützen auf dem Hof Beuker an. Dort wurden nicht nur Oberst, Thron und Fahne ausgeholt, sondern auch gleich sieben neue Mitglieder zu Schützen geschlagen und in den Verein aufgenommen. Anschließend marschierten die Schützen zum Kriegerehrenmal. Oberst Thomas Wolters, der bei den Paraden in diesem Jahr durch Reserveoffizier Michael te Vrugt vertreten wurde, erinnerte in seiner Ansprache nicht nur an die Opfer der Weltkriege und der Verbrechen des Nationalsozialismus, sondern auch an die Schicksale der vielen Menschen, die bis heute unter Krieg und Verfolgung leiden. Unter würdiger musikalischer Begleitung der Husarenkapelle wurde ein Kranz niedergelegt und der Verstorbenen gedacht.
Nach der würdevollen Zeremonie marschierten die Schützen zurück zum Schützenplatz, wo – begleitet durch ein Platzkonzert der Husaren – weitergefeiert wurde.





Ausholen des alten Königspaares
Trotz des rauschenden Festes am Freitagabend blieb den Schützen am Samstag keine Zeit zum Ausschlafen. Für das Königspaar und einige Vertreter aus Vorstand und Offizierskorps stellte dies jedoch kein Problem dar – denn bereits um 6 Uhr war ein Weckkommando der Stadtlohner Husarenkapelle im Einsatz. Um 9 Uhr hieß es „Antreten!“ auf dem Hof Beuker. Nachdem sich die Schützen bei einigen Kaltgetränken gestärkt hatten, wurde die Fahne ausgeholt und das Bataillon machte sich auf den langen Marsch zum Hof Rülfing, um dort das alte Königspaar abzuholen. Die Nachbarn des Königs hatten den Hof bereits am Mittwoch festlich geschmückt. In seiner Ansprache bedankte sich König Christoph bei Königin Anne, seinem Throngefolge und allen, die sie in der Zeit ihrer Regentschaft und bei der Vorbereitung des Festes unterstützt hatten. Vor dem Abmarsch zur Vogelstange spendierte der König reichlich Marschverpflegung, sodass die Schützen noch einmal auf den alten Thron anstoßen konnten. Auch das Weckkommando der Husaren, die nicht nur für ihre musikalischen Qualitäten, sondern auch für ihre Standfestigkeit berühmt sind, reihte sich wieder in die Musikkapelle ein, die mit einer Schunkelrunde für Stimmung sorgte.



Spannendes Vogelschießen
Für das anstehende Vogelschießen fehlte noch ein entscheidendes Detail – und so wurde auf dem Hof Rülfing schließlich noch der Vogel ausgeholt. Dieser war wie üblich von den Vogelbauern Simon und Ludger Icking gebaut und von den Nachbarn geschmückt worden. Letztere hatten den Vogel – zu Ehren des königlichen Hofes – in Gestalt einer Kuh geschmückt und mit einem Euter versehen. Die Spannung stieg, als die Schützen mit dem Vogel in Richtung Schützenplatz marschierten und, begleitet vom „Waidmannsheil“ der Husaren, zur Vogelstange zogen.
An der gut besuchten Vogelstange konnten die Zuschauer ein spannendes Schießen erleben. Zu Beginn nahmen zahlreiche Schützen – und sogar einige Husaren – den Vogel ins Visier. Der „Euter-Vogel“ hatte augenscheinlich eine gute Pflege genossen, denn er hielt sich tapfer über 291 Schuss auf der Stange. Am Ende machte André Picker jedoch nach einem spannenden Zweikampf kurzen Prozess mit dem Vogel und erkor Jennifer Berghaus zur Königin. Ihre Regentschaft wird durch das Throngefolge aus Mathias Berghaus und Tina Picker sowie Simon Icking und Sophia Kahmen unterstützt.


Proklamation und Krönungsball
Am Abend traten die Schützen vor dem Zelt an, um die Proklamation des neuen Königspaares zu begehen. Unter den sich versammelnden Schützen herrschte inzwischen Einigkeit, dass der „Toog“ am Montag eindeutig in Richtung Picker gezeigt hatte. Im Rückblick wurden auch andere Anzeichen erkannt. So kursierte ein Foto vom Schmücken am Donnerstag, auf dem Schütze Picker höchstpersönlich den Platz vor dem Thron fegte. Zufall?
Bei der Proklamation wies Reserve-Oberst Michael te Vrugt auf ein weiteres Anzeichen hin: Nach dem Verlust der alten Königinnenkrone hatte Katharina Berghaus im Jahr 1953 eine neue Krone gestiftet. So war Elisabeth Berghaus, die Königin des Jahres 1952, die erste Regentin, die diese als Schützenkönigin getragen hat. Als Königin Jennifer Berghaus die Krone nun in Empfang nahm, knüpfte sie damit also an eine lange Familientradition an.
Auch König André habe bereits Erfahrungen mit den Amtsinsignien eines Königs gehabt, wie der Reserve-Oberst betonte. Zwar sei König André aus Wendfeld, wo er lebt, arbeitet und sich im Vorstand engagiert, kaum noch wegzudenken. Doch auch an seinem früheren Wohnort in Nichtern habe er bereits seine Schützenfestbegeisterung unter Beweis gestellt und die Königswürde errungen (und dabei nur knapp 14 Schüsse mehr gebraucht). Somit stand außer Frage, dass André Picker hervorragend auf seine Regentschaft vorbereitet ist. Da im Jubiläumsjahr 2028 ein Kaiser anstelle eines Königs ausgeschossen werden soll, wird König André die historische Wendfelder Königskette bis ins Jahr 2030 tragen.
Nach der Proklamation begleiteten die Schützen und die Musiker das neue Königspaar und Throngefolge zu ihrem Ehrentanz in das Festzelt – bevor beim Krönungsball bei zahlreichen Polonaisen und auf der Tanzfläche bis tief in die Nacht gefeiert wurde.



Vor dem Fest ist nach dem Fest
Wir befinden uns am Sonntagmorgen. In ganz Wendfeld ist das Schützenfest zu Ende … In gaanz Wendfeld? Nein! Am Schützenplatz hört ein Bataillon unbeugsamer Runkelschützen nicht auf, das Fest fortzusetzen.
Denn wie üblich ermittelte die Wendfelder Jugend beim „Runkelschießen“ ihre neuen Regenten. Nach einem spannenden Wettkampf holte Michael Kluthe schließlich die Runkel von der Stange und erkor Lisa Benning zu seiner Königin. Beim abendlichen Antreten übergaben König Christian Große Frericks und Königin Lea Nienhaus Kette und Krone an das neue Königspaar. Auf König Christian wartete dabei direkt die nächste Aufgabe – denn kaum hatte er die Kette übergeben, nahm er überraschend den Helm mit dem roten Federbusch in Empfang und wurde zum neuen Runkel-Oberst befördert. Beim anschließenden Fest feierten alle Wendfelder noch einmal das neue Runkelkönigspaar und ließen gleichzeitig die Festwoche ausklingen.
Danksagungen
An dieser Stelle bedankt sich der Schützenverein 1878 e. V. herzlich bei seinen Partnern und Unterstützern. Namentlich erwähnen möchten wir hier die Sparkasse Westmünsterland für die Unterstützung der Kinderbelustigung, die Volksbank Westmünsterland eG für die zur Verfügung gestellte Hüpfburg und die Stadt Stadtlohn für den Zuschuss zur Pflege des Ehrenmals sowie die Firma Dücker für die neue Platte des Gedenksteins. Außerdem bedanken wir uns bei Jochen Terbeck und Lukas Tendahl und ihrem Team von Westmünsterland Events für die gute Zusammenarbeit, der Tanzband „Borderline“ und unseren Freunden von der Stadtlohner Husarenkapelle für die musikalische Begleitung sowie dem neuen und alten Thron für zwei tolle Jahre und zwei rauschende Festabende.